Diskretion ist in diesem Beruf kein Komfort, sondern die Voraussetzung dafür, dass viele ihn überhaupt ausüben. Sie entsteht nicht durch Verschweigen, sondern durch eine saubere Trennung zwischen beruflicher und privater Identität, die von Anfang an angelegt wird.
Der Alias
Ein Arbeitsname ist Standard. Er sollte aussprechbar, merkbar und nicht mit dem echten Namen verwandt sein. Kombinationen aus dem echten Vornamen und einem erfundenen Nachnamen sind der häufigste Fehler, weil sie über Suchmaschinen zusammenführbar bleiben.
Für die behördliche Seite gibt es die Aliasbescheinigung: Die Anmeldebescheinigung nach dem Prostituiertenschutzgesetz wird auf Wunsch mit dem Aliasnamen ausgestellt. Der bürgerliche Name bleibt bei der Behörde und erscheint nicht auf dem mitzuführenden Dokument.
Fotos
- Keine Aufnahmen verwenden, die bereits in sozialen Netzwerken stehen, sie sind über Bildersuche auffindbar
- Standortdaten aus den Dateien entfernen, bevor sie hochgeladen oder versendet werden
- Erkennbare Hintergründe vermeiden, also Wohnung, Auto, Arbeitsplatz, markante Umgebung
- Tätowierungen und Narben bedenken, sie identifizieren zuverlässiger als ein Gesicht
- Bei Bedarf die Unkenntlichmachung durch das Portal nutzen, was allerdings spürbar Anfragen kostet
Telefon und Konten
Eine zweite Nummer, ausschließlich für die Tätigkeit, trennt beide Welten sauber. Zweitkarte oder ein Zweitgerät, kein privates Konto in Messengern, kein Profilbild, das anderswo auftaucht. Für E-Mail eine eigene Adresse, die keinen Namensbestandteil enthält.
Dieselbe Telefonnummer für privat und beruflich. Nummern lassen sich in Messengern und über Kontaktabgleich mit Namen verknüpfen, oft ohne Zutun der beteiligten Personen.
Zahlungen
Barzahlung hinterlässt keine Spur zwischen Kundschaft und Callboy. Überweisungen tun das sehr wohl, mit Namen und Verwendungszweck. Portale, die keinen Zahlungsverkehr mit dem Callboy führen, sondern nur ein Abonnement abrechnen, erzeugen dementsprechend keine Verbindung zwischen einzelnen Buchungen und Konto.
Die steuerliche Pflicht bleibt davon unberührt. Diskretion nach außen und vollständige Aufzeichnung für das Finanzamt schließen sich nicht aus.
Das eigene Umfeld
Wer erfährt es, wer nicht, und was wird gesagt, wenn gefragt wird. Diese drei Fragen vorher zu klären ist einfacher, als eine Antwort im Moment zu improvisieren. Eine plausible Erklärung für unregelmäßige Zeiten und gelegentliche Auswärtstermine gehört dazu.
Spuren im Netz
- Den Aliasnamen regelmäßig selbst suchen, in Text- und Bildersuche
- Profile nur auf Portalen anlegen, die Löschung auf Anfrage tatsächlich umsetzen
- Keine Rezensionen, Kommentare oder Forenbeiträge unter dem Alias hinterlassen, die private Details enthalten
- Bei einem Ausstieg aktiv die Löschung aller Profile verlangen und die Umsetzung prüfen